Gesetze der menschlichen Dummheit

von Carlo M. Cipolla
illustriert von James Donnelly

Die Prinzipien der menschlichen Dummheit wurden von Carlo Cipolla aufgestellt.
Er war Italiener und lehrte in Berkley/CA.
Seine sicher zutreffenden Gedanken zu diesem Thema soll er an 3 Abenden verfasst haben.
Ich übersetzte sie hier aus dem amerikanischen mit spürbar italienischer Denkungsart, - vielleicht etwas holprig. Trotzdem verständlich?
 
Zusammenfassung:
 
1. Gesetz:
Stets und unvermeidlicherweise unterschätzt jeder von uns die Anzahl dummer Individuen, die sich in Umlauf befinden.
 
2. Gesetz:
Die Wahrscheinlichkeit, daß eine bestimmte Person dumm ist, besteht unabhängig von jeder anderen Eigenschaft derselben Person.
 
3. Gesetz:
Ein dummer Mensch ist ein Mensch, der einem anderen Menschen oder einer Gruppe von Menschen einen Schaden beibringt, ohne zugleich einen Gewinn für sich selbst dabei herauszuziehen oder sogar einen Verlust erleidet.
 
4. Gesetz:
Menschen, die nicht dumm sind, unterschätzen stets das Gefährlichkeitspotential dummer Menschen. Vor allem wird vergessen, daß Verhandlungen und/oder Verbindungen zu jedem Zeitpunkt, an jedem Ort und unter allen denkbaren Umständen mit dummen Personen sich unweigerlich als teure Irrtümer herausstellen werden.
 
5. Gesetz:
Der dumme Mensch zählt zu den gefährlichsten Menschen, die es gibt.
 


Das erste Gesetz über die menschliche Dummheit behauptet ohne jeden Zweifel:

Immer und unvermeidlich wird die Zahl der real existierenden Dummen Individuen unterschätzt

stupid01.gif Zuerst klingt diese Behauptung trivial, vage und fürchterlich ungenau. Eine nähere Untersuchung zeigt jedoch die realistische Wahrheit. Egal wie hoch die persönlichen Schätzungen über die menschliche Dummheit sind, wird jederman immer wieder mit folgenden Tatsachen überrascht:

a) Leute die man einst als vernünftig und intelligent einstufte, stellen sich als unverschämt dämlich heraus

b) Tag für Tag, mit unablässiger Monotonie, wird jeder dauernd belästigt durch Aktivitäten von dummen Individuen die plötzlich und unerwarted erscheinen, an den ungewöhnlichsten Orten und zu den unpassensten Zeiten.

Das erste Gesetz hält mich davon ab, eine zahlenmäßige Größe für den Anteil der Dummen unter der gesamten Bevölkerung zu nennen: jeder zahlenmäßige Betrag wird sich als zu klein herausstellen. Deshalb werde ich im Folgenden den Anteil der Dummen in einer Gruppe mit dem Symbol σ bezeichnen.


Das zweite grundlegende Gesetz

Stupid02.gif Der kulturelle Trend der westlichen Welt bevorzugt einen gleichmacherischen Ansatz bei der Betrachtung des Lebens. Die Leute lieben es zu denken, menschliche Wesen sind das Ergebnis einer perfekt arbeitenden Massenproduktions-Maschine.
 
Genetiker und besonders Soziologen vermeiden es, mit einem eindrucksvollen Apparat von wissenschaftlichen Daten und Formulierungen, zu überprüfen, ob alle Menschen wirklich gleich sind. Und falls einige gleicher als andere sind, wird das der Erziehung und nicht der Natur zugeschrieben.
 
Ich mache eine Ausnahme von dieser allgemeinen Sicht. Es ist meine feste Überzeugung, gewonnen in Jahren der Beobachtung und Experimente, daß nicht alle alle Menschen gleich sind, daß manche dumm sind und andere nicht, und das der Unterschied durch die Natur bestimmt wird und nicht durch kulturelle Kräfte oder Faktoren.
 
Einer kann dumm sein, in gleicherweise wie er rothaarig ist, man gehört zu den Dummen wie man zu einer Blutgruppe gehört. Ein dummer Mensch wird dumm geboren durch eine zufällige Fügung.
 
Trotz der Überzeugung, daß Teile der Menschheit wegen genetischer Zufälle dumm sind, bin ich kein Reaktionär der versucht eine Klassen- oder Rassendiscriminierung wiederzuerfinden. Ich glaube fest daran, daß Dummheit eine belastende Eigenschaft aller menschlicher Gruppen ist und daß sie gleichförmigig verteilt ist mit einem konstanten Anteil. Diese Tatsache wird wissenschaftlich ausgedrückt durch durch das zweite grundlegende Gesetz welches besagt:

Die Wahrscheinlichkeit daß ein bestimmtes Individuum dumm ist, ist unabhängig von jeder anderen seiner Eigenschaften.

In dieser Hinsicht, übertrifft sich die Natur selber. Es ist gut bekannt, daß es die Natur, auf ziemlich geheimnisvolle Weise, einrichtet, bestimmte natürliche Erscheinungen konstant zu halten. Zum Beispiel, ob die Menscheit am Nordpol oder am Äquator wuchert, ob man in entwickelten oder unentwickelten Gebieten lebt, ob sie Schwarze, Weiße oder Chinesen sind: das Verhältnis der männlich zu den weiblich Geborenen ist eine Konstante, mit leichter Bevorzugung der Männer.
 
Wir wissen nicht, wie die Natur dieses bemerkenswerte Ergebnis erreicht, aber wir wissen, daß das in der Natur überall so ist.
 
Die am meisten bemerkenswerte Tatsache über den wahrscheinlichen Anteil der Dummen ist nun, daß dieser Anteil von der Natur in jeder Gruppengröße ziemlich gleich zu sein scheint.

Man findet den gleichen Anteil an dummen Menschen, ob man große oder kleine Gruppen untersucht. Keine andere beobachtbare Eigenschaft der Menschen offenbart einen bemerkenswerten Beweis für die Macht der Natur.

Das Vorhandensein von Erziehung und Ausbildung hat nichts zu tun mit dieser Wahrscheinlichkeit. Das wurde überprüft durch Tests und Experimente an einer großen Anzahl von Universitäten weltweit.

Man kann die Zusammensetzung in fünf große Gruppen unterscheiden, nämlich die Arbeiter/Handwerker, die Büroangestellten, die Studenten, die leitenden Verwalter und die Professoren.

Immer wenn ich die Gruppe der Arbeiter/Handwerker analysierte, fand ich einen Anteil σ von ihnen als dumm. Weil dieser Anteil σ höher wie vermutet war (Regel 1), dachte ich zuerst -indem ich eine landläufige Meinung teilte-, daß Absonderung, Armut und Mangel an Bildung die Ursache waren.

Aber höher auf der sozialen Leitet fand ich das gleiche Verhältnis bei den Büroangestellten und den Studenten.

Noch beeindruckender war das Ergebnis bei den Professoren.

Ob ich eine große Universität oder eine kleine Studieneinrichtung, eine berühmte oder eine zweifelhafte betrachtete, ich fand stets den gleichen Anteil an dummen Professoren. Ich war von den Ergebnissen so verblüfft, daß ich eine besonders ausgesuchte Gruppe, eine wirkliche Elite, untersuchte, die Nobelpreisträger. Das Ergebnis bestätigte das Naturgesetz: ein Anteil von σ der Nobelpreisträger war dumm.

Dieser Gedanke ist schwer zu verstehen und zu verdauen, aber zu viele Versuchsergebnisse bestätigen seine fundamentale Richtigkeit. Diese zweite grundsätzliche Regel ist eine eiserne Regel und sie hat keinerlei Ausnahmen.

Die Frauenbewegung wird es unterstreichen, daß es unter Männern genausoviel Dumme gibt, wie unter Frauen. Und die unterentwickelte Dritte Welt wird sich trösten, daß die weiterentwickelte Welt in dieser Hinsicht die gleichen Probleme hat.

Ob man nun diese zweite Regel gern hat oder nicht, ihr Inhalt ist erschreckend: diese Gesetzmäßigkeit beinhalted, daß es egal ist, ob man sich in erlesenen Kreisen bewegt oder bei den Kopfjägern von Polynesien aufhält, ob man Zuflucht in einem Kloster sucht, oder beschließt, sein restliches Leben mit schönen und lüsternen Frauen zu verbringen, - man wird überall den gleichen Prozentsatz von Dummen gegenüberstehen. Und dieser Anteil wird (entsprechend der Regel 1) immer die eigenen Erwartungen übertreffen.

Die dritte (goldene) grundsätzliche Regel

Die das dritte Gesetz nimmt an, obwohl das nicht allzu genau ist, daß die Menschen in vier Kategorien einteilbar sind: die Hilflosen, die Intelligenten, die Banditen und die Stupiden (die Dummen). Der scharfsinnige Leser wird leicht erkennen, daß die vier Kategorien mit der vier Gebieten H, I, B und S auf der unten stehenden Zeichnung korrespondieren.

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Abbildung 1
 
 
 
Falls Tom handelt und dabei einen Verlust macht, während Dick einen Gewinn macht, dann wird Tom in das Feld H fallen. Tom handelte hilflos.
 
Wenn Tom bei dem Handel etwas gewinnt und auch Dick einen Gewinn dabei hat, dann ist Tom dem Feld I zu zuordnen. Tom handelte intelligent.
 
Falls Tom einen Handel abschließt der ihm Gewinn bringt, aber Dick einen Verlust, dann fällt er in den Bereich B. Tom handelte als Bandit.
 
Dummheit (Stupidität) fällt in das Feld S und betrifft alle Positionen links und rechts der Achse Y unterhalb des Punktes O.
 
 
Das dritte grundlegende Gesetz stellt ausführlich klar:

Eine dumme Person ist jemand, der einer anderen Person oder einer Gruppe von Personen Schaden zufügt, ohne selber dabei Gewinn zu erzielen und dabei u.U. sogar zusätzlichen Verlust macht.

Wenn vernünftige Menschen das erste Mal mit dem dritten Gesetz konfrontiert werden, reagieren sie mit Skepsis und Unglauben. Es ist eine Tatsache, daß vernünftige Menschen Schwierigkeiten haben, unvernünftiges Verhalten zu begreifen und zu verstehen. Aber verlassen wir die luftigen Ebenen der Theorie und sehen uns im wirklichen, täglichen Leben um.
Wir alle erinnern uns an Vorfälle, bei denen jemand eine Aktion ausführte, die zu seinem Gewinn und unserem Verlust führte. Wir hatten es mit einem Banditen bzw. Betrüger zu tun.
Wir erinnern uns auch an Fälle in denen jemand einen Verlust erlitt und wir einen Gewinn. Wir handelten mit einer hilflosen Person.
Wir können uns auch an Fälle erinnern bei denen beide Seiten einen Gewinn hatten: unsere Partner waren intelligent. Solche Fälle kommen in der Tat vor. Aber nach einigem Nachdenken müssen Sie zugeben, daß solche Ereignisse nicht sehr häufig in unserem täglichen Leben vorkommen.
Unser Alltag besteht meistens aus Fällen in denen wir Geld verlieren und/oder Zeit und/oder Energie und/oder Appetit, Heiterkeit oder Gesundheit wegen der Wirkung einiger absurder Geschöpfe, die dabei nichts gewinnen und uns nur Verlegenheiten und Schwierigkeiten bereiten oder uns sonstwie schaden. Und niemand weiß, versteht oder kann möglicherweise erklären, warum diese absurde Kreatur das tut, was sie tut. Tatsächlich gibt es dafür keine Erklärung -oder besser-es gibt dafür nur eine Erklärung: diese Person ist dumm (stupide).

Häufigkeitsverteilung Die meisten Menschen handeln nicht konsequent. Unter bestimmten Umständen handelt eine bestimmte Person intelligent und unter anderen Umständen wird dieselbe Person hilflos handeln. Die einzige wichtige Ausnahme der Regel der Inkonsequenz sind die dummen Menschen, die normalerweise eine starke Neigung zu dieser Eigenschaft in allen menschlichen Bereichen haben und sich konsequent dumm verhalten.
Daraus folgt, daß wir eine Einzelperson nicht eindeutig einem Feld zuordnen können. Wir können für jede Person in jedem Einzelfall berechnen, wo seine gewichtete durchschnittliche Position in der Ebene der Abbildung 1 liegt, ganz unabhängig von dem Grad der Inkonsistenz. Ein Hilfloser kann sich gelegentlich intelligent verhalten und gelegentlich kann die Person wie ein Bandit handeln. Aber da die betreffende Person im Grunde hilflos ist, werden die meisten ihrer Aktionen die Eigenschaften von Hilflosigkeit haben. So fallen die gesamten gewichteten Eigenschaften einer solchen Person in den H-Quadranten der obigen Grafik.
Die Tatsache, daß es möglich ist, auf dem Graphen Individuen anstelle ihres typisierten Handelns zu plazieren, erlaubt einen Exkurs über die Häufigkeit von Banditen und dummen Typen.
Die perfekte Bandit fügt mit seinen Taten anderen Individuen Verluste in Höhe seiner Gewinne zu. Die einfachste Art von Räuberei ist Diebstahl. Jemand der Ihnen 100 Euro raubt, ohne daß Sie einen zusätzlichen Verlust oder Schaden haben, ist ein perfekter Bandit: Sie verlieren 100 Euro, er gewinnt 100 Euro. In dem Übersichtsbild liegt der perfekte Bandit auf einer Diagonalen, die den Bereich B in zwei gleichgroße Bereiche aufteilt. Das ist die Linie OM in Abbildung 2.

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Abbildung 2

Jedoch sind "perfekte" Banditen verhältnismäßig selten. Die Linie OM teilt den Bereich B in zwei Unterbereiche B1 und B2 ein und die allermeisten Banditen fallen nicht genau auf diese Linie, sondern in einen der zwei Unterbereiche.

Die Banditen, die in den Bereich B1 fallen, sind diejenigen Personen, deren Handlungen größere Gewinne ergeben als die Verluste bei anderen Menschen. Alle Banditen, für die eine Position im Bereich B1 berechtigt ist, sind Banditen mit einem Anflug von Intelligenz. Je näher sie der rechten Seite der X-Achse kommen je mehr teilen sie die Merkmale von intelligenten Personen.

Leider sind die Individuen, die das Recht auf eine Position in dem B1-Bereich haben nicht sehr zahlreich. Die meisten Banditen fallen in den Bereich B2. Die Personen, welche in diesen Bereich fallen, sind diejenigen, deren Handlungen weit weniger Gewinn ergeben als sie anderen an Schaden zufügen.
Wenn Dich jemand wegen 50 Euro tötet, um mit Deiner Frau ein Wochenende in Monte Carlo zu verbringen, können wir sicher sein, daß er nicht zur Gruppe der perfekten Banditen gehört.
Auch wenn man die Maßstäbe des Banditen nimmt, um dessen Gewinne zu messen (aber immer noch die eigenen Maßstäbe für die eigenen Verluste nimmt) fällt er in den Bereich B2 und zwar sehr nahe an die Grenze zur schieren Dummheit. Generäle, die große Zerstörung verursachen und unzählige Opfer im Gegenzug für eine lobende Erwähnung oder eine Medaille in Kauf nehmen, fallen in in jedem Fall in diesen Bereich.

Die Häufigkeitsverteilung der dummen Leute sieht völlig anders aus als bei Banditen.
Während Banditen meist über eine Fläche verteilt sind, konzentrieren sich dumme Menschen stark entlang einer Linie auf der Y-Achse unter Punkt O.
Der Grund dafür ist, daß die weitaus meisten dummen Menschen grundsätzlich und unbeirrt dumm sind- mit anderen Worten: es ist ihnen völlig egal, welche Folgen sie anderen Menschen zufügen, und ob es sich um Verluste oder Gewinne handelt.

Es gibt jedoch auch Menschen, die durch ihre unwahrscheinlichen Aktionen nicht nur Schäden an anderen Menschen verursachen, sondern darüber hinaus sich selber schaden. Sie sind eine super-dumme Abart, die in unserem System, irgendwo im Bereich S , weit links von der der Y-Achse erscheinen.

Die Macht der Dummheit

Es ist nicht schwer zu verstehen, wie soziale, politische und institutionelle Macht das schädigende Potential von dummen Menschen erhöht. Aber man muß noch erklären und verstehen, was im wesentlichen einen dummen Menschen so gefährlich für andere Menschen macht - mit anderen Worten, wie die Macht der Dummheit entsteht.

Im wesentlichen sind dumme Leute gefährlich und schädlich, weil es für vernünftige Menschen schwierig und unverständlich ist, sich unvernünftiges Verhalten vorzustellen.
Eine kluge Person kann die Logik von Banditen verstehen. Die Handlungen von Banditen folgen einem Muster von Rationalität: eine häßliche Rationalität, wenn Sie so wollen, aber immer noch Rationalität. Der Bandit möchte ein Plus zu seinen Gunsten.
Weil er nun nicht intelligent genug ist, um Möglichkeiten zur Erlangung des Plus auch bei Ihnen zu entwickeln, wird er sein Plus erreichen, indem er Ihnen ein Minus auf Ihrem Konto zufügt.
Das ist zwar schlecht, aber es ist rational und falls Sie rational denken können, ist es vorhersagbar. Man kann die Handlungen von Banditen voraussagen, - seine fiesen Manöver und häßlichen Wünsche- und oft kann man sich dagegen schützen.

Bei einer dummen Person ist all dies jedoch absolut unmöglich, wie schon in der dritten Regel erklärt. Ein Dummer belästigt Sie völlig grundlos, er hat davon auch keinen Vorteil, er handelt ohne Plan oder Schema, zu den unerwartestensten Zeiten und an den unwahrscheinlichsten Orten. Sie haben keine vernünftige Möglichkeit zu erkennen, ob, wann, wie und warum die dumme Kreatur Sie angreift. Wenn Sie mit einem Dummen konfrontiert werden, sind Sie völlig in seiner Gewalt. Da bei dummen Personen die Handlungen nicht den Regeln der Vernunft entsprechen, daraus folgt:

a) erstmal wird man von seinem Angriff überrascht sein und
b) auch wenn man den Angriff erkennt, kann man nichts zu einer rationalen Verteidigung organisieren, weil dem Angriff jede rationale Struktur fehlt.

Die Tatsache, daß die Aktivitäten des dummen Wesens absolut unberechenbar und irrational sind, macht nicht nur eine Verteidigung problematisch, sondern auch jeden Gegenangriff extrem schwierig, - wie wenn man auf ein Objekt schießen soll, daß die unwahrscheinlichsten und unvorstellbarsten Bewegungen ausführt. Das ist es, was Schiller meinte, als er sagte "gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens". *)

Das vierte Gesetz

Daß hilflose Menschen, nämlich diejenigen, die in unserem Ordnungssystem in den H-Bereich fallen, in der Regel nicht erkennen, wie gefährlich dumme Menschen sind, ist überhaupt nicht überraschend. Deren Unfähigkeit das zu erkennen, ist nur ein weiterer Beweis ihrer Hilflosigkeit.
Die wirklich erstaunliche Tatsache ist jedoch, daß auch intelligente Menschen und Banditen oft nicht erkennen, welche schädigende Macht inhärente Dummheit hat. Dieser Sachverhalt ist sehr schwer zu erklären.
Man findet oft, daß intelligente Menschen sowie Banditen, wenn sie mit dummen Menschen konfrontiert werden, den Fehler machen, in Gefühlen von Selbstgefälligkeit und Geringschätzung zu schwelgen, anstatt sofort ausreichende Mengen an Adrenalin und Abwehrkräfte aufzubauen.

Man glaubt manchmal, daß ein dummer Mensch nur sich selbst schadet, aber das ist eine Verwechslung von Dummheit mit Hilflosigkeit. Gelegentlich ist man versucht, einem dummen einzelnen Mitarbeiter, für die eigenen Ziele zu benutzen. Ein solches Manöver muß nicht, aber kann verheerende Effekte haben, weil
a) es ist auf einem völligen Unverständnis der Dummheit beruht und
b) weil es der dummen Person Spielraum für die Ausübung seiner Gaben hinzufügt.
Man kann hoffen, den Dummen zu überlisten und, -bis zu einem bestimmten Punkt-, es auch tun.
Aber wegen des nicht vorhersehbaren Verhaltens, kann man nicht all die dummen Aktionen und Reaktionen erahnen, und es dauert nicht lange, dann wird man durch unvorhersehbares Verhalten des dummen Partners pulverisiert werden.

Dies ist in der vierten Regel zusammengefaßt, in der es heißt:

Menschen, die nicht dumm sind, unterschätzen stets das Gefährlichkeitspotential dummer Menschen. Vor allem vergessen Menschen, die nicht dumm sind, ständig, daß Verhandlungen und/oder Verbindungen zu jedem Zeitpunkt, an jedem Ort und in jedem Fall mit dummen Personen sich unweigerlich als teurer Irrtum herausstellen werden.

Durch Jahrhunderte und Jahrtausende, im öffentlichen wie im privaten Leben, haben unzählige Einzelpersonen es versäumt, diese vierte Regel zu beachten und dadurch wurde der Menschheit unkalkulierbarer Schaden zugefügt

.

Das fünfte grundlegende Gesetz

Anstelle des Wohlergehens eines Einzelnen betrachten wir das Wohl der Gesellschaft, in diesem Zusammenhang als die algebraische Summe der Bedingungen von Individuen. Ein vollständiges Verständnis der fünften Regel ist von wesentlicher Bedeutung für die Analyse. Es mag hier ergänzt werden, daß diese fünfte Regel sicherlich zu den bekanntesten gehört und ihre logische Folge sehr häufig zitiert wird. Die fünfte grundsätzliche Regel lautet:

Eine dumme Person ist der gefährlichste Typ von Personen.

Die logische Folge dieser Gesetzmäßigkeit ist dann:

Die Dummheit richtet mehr Schaden an als Verbrechen.

Das Ergebnis von Handlungen eines perfekten Banditen (die Person die sich auf der Linie OM von Abbildung 2 befindet) ist schlicht und einfach ein Transfer von Reichtum und/oder Wohlfahrt. Nach einer Handlung eines perfekten Banditen, hat der Bandit ein Plus auf seinem Konto, was genau dem Verlust einer anderen Person entspricht. Dadurch steht die Gemeinschaft insgesamt weder besser noch schlechter da. Wenn alle Mitglieder einer Gesellschaft perfekte Banditen wären, würde die Gesellschaft stagnieren, aber es wäre keine große Katastrophe.
Es würde sich ein massiver Transfer von Wohlstand und Wohlergehen zu Gunsten derjenigen ergeben, die Maßnahmen ergreifen. Wenn alle Mitglieder der Gesellschaft regelmäßig solche Maßnahmen ergreifen würden, würde sich nicht nur für die Gesellschaft als Ganzes, sondern auch für jeden Einzelnen keine Veränderung ergeben.

Wenn dumme Leute am Werk sind, ist die Geschichte jedoch ganz anders.
Dumme Menschen verursachen Verluste bei anderen Menschen, ohne im Gegenzug eigene Gewinne zu erzielen. So verarmt die Gesellschaft als Ganzes.
Das Ordnungssystem in den Diagrammen zeigt, daß alle Handlungen von Individuen, die rechts von der Linie POM (siehe Abb. 3) etwas zum Wohlergehen einer Gesellschaft hinzufügen, obwohl jeweils in verschiedener Hinsicht, die Handlungen aller Individuen auf der linken Seite der Linie jedoch gleichzeitig eine Wertminderung bewirken.

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Abbildung 3

Mit anderen Worten: die Hilflosen mit einem Anflug von Intelligenz (Bereich H1), die Banditen mit einiger Intelligenz (Bereich B1) und vor allem die Intelligenten (Bereich I) tragen alle dazu bei, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, Wohlstand in der Gesellschaft zu vermehren.
Auf der anderen Seite stehen die Banditen mit Eigenschaften von Dummheit (Bereich B2) und die Hilflosen mit Eigenschaften von Dummheit (Bereich H2), welche zu den Verlusten, die durch die Dummen ohnehin entstehen, noch weitere hinzufügen. So zeigt sich die ruchlose und zerstörerische Kraft der letzteren Gruppe.

Es liegt nahe, nun einige Überlegungen über die Leistung der Gesellschaft anzustellen. Nach dem zweiten Grundgesetz ist der Anteil der dummen Menschen eine Konstante σ, die nicht von der Zeit noch von Raum, Rasse, Klasse oder einer anderen sozio-kulturellen oder historischen Variablen beeinflußt wird.
Es wäre ein großer Fehler zu glauben, die Anzahl der dummen Menschen ist in einer absteigenden Gesellschaft größer als in einer sich aufwärts entwickelnden Gesellschaft. Beide Gesellschaften werden von dem gleichen Prozentsatz von dummen Menschen geplagt. Der Unterschied zwischen den beiden Gesellschaften besteht darin, daß in der Gesellschaft die schlecht funktioniert:

a) den dummen Mitgliedern der Gesellschaft von den anderen Mitgliedern mehr Handlungen und damit mehr Auswirkungen erlaubt werden und
b) es eine Änderung in der Zusammensetzung der nicht-blöden Gruppe durch einen relativen Rückgang der Bevölkerung in den Bereichen I, H1 und B1 und einer entsprechenden Erhöhung der Populationen in H2 und B2 gibt.

Diese theoretische Annahme wurde reichlich durch eine erschöpfende Analyse historischer Fälle bestätigt. Tatsächlich ermöglicht es uns die historische Analyse, die theoretischen Schlußfolgerungen in einer sachlichen Art und Weise und mit mehr realistischen Details zu formulieren.

Ob man klassische oder mittelalterliche oder moderne oder zeitgenössische Zeiten betrachtet, wird man durch die Tatsache beeindruckt, daß jedes Land, welches sich bergauf bewegt, den gleichen unvermeidbaren σ Bruchteil dummer Menschen hat. Doch ein Land, welches sich bergauf entwickelt, hat auch ein ungewöhnlich hohen Anteil an intelligenten Menschen. Sie halten den Anteil σ im Zaum und erzeugen gleichzeitig genug Gewinne für sich selbst und für andere Mitgliedern der Gesellschaft, um Fortschritte sicher zu stellen.

Auch in einer sich abwärts bewegenden Gesellschaft beträgt der Anteil der Dummen σ;
jedoch in der übrigen Bevölkerung bemerkt man unter den Machthabern eine alarmierende Zunahme von Banditen mit zusätzlichen Eigenschaften von Dummheit (Unter-Bereich B2 des Quadranten B in Abbildung 3)
und bei den nicht Machthabenden eine ebenso alarmierende Zunahme der Zahl von hilflosen Personen (Bereich H in der Abb.1).
Eine solche Veränderung in der Zusammensetzung der nicht dummen Bevölkerung stärkt unweigerlich die zerstörerische Kraft der σ-Fraktion und sorgt mit Gewißheit für den Abstieg.

Und das Land geht zum Teufel.


*) Anmerkung des Übersetzers:
Ein ähnliches erwähntes Zitat von Dickens
"with stupidity and sound digestion man may front much"
kann ich nicht griffig übersetzen. Vielleicht sinngemäß:
"Mit Dummheit und Geschrei kann man viel erreichen." ?

Prof. Carlo M. Cipolla lehrte an der UCB bis 1991 und starb am 5.9.2000 in Pavia, Italien.
Seine Erben versuchten das Copyright für den englischen Orginaltext
The Basic Laws of Stupidity (das nun an erfreulich vielen Stellen im Web zu finden ist!)
zurückzuerlangen. Der Text wurde aber als Public Domain herausgegeben und diese Rechte können nicht zurückverlangt werden.